02/06/12

Ärztin und Soldatin

Stabsarzt Dr. Nihal Güllac arbeitet seit August 2010 im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz. Die angehende Fachärztin für Kardiologie ist Assistentin des Chefarztes und führt unter anderem täglich Herzkatheter-Untersuchungen durch. Dabei werden Herz- und Herzkranzgefäße mithilfe des Röntgenverfahrens untersucht, gegebenenfalls werden Gefäßstützen, sogenannte Stents, gesetzt, die einen erneuten Verschluss der Gefäße verhindern sollen.

Interview mit Dr. Nihal Güllac

Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, bei der Bundeswehr Ärztin zu werden? Ich wollte immer schon Ärztin werden, und ich wollte auch schon immer zur Bundeswehr. Damals hatte man noch ein Widerrufsrecht. Ich habe mich dann aber nach diesen ersten sechs Monaten für die Bundeswehr entschieden und es auch nicht bereut. Wer das Studium in der Mindestzeit schafft und wer die Noten entsprechend bringt, bekommt auch die Facharztstelle, die er haben möchte, an dem Ort, an dem er arbeiten möchte.   

Warum haben Sie sich für die Kardiologie entschieden? Die „Innere“ hat mich vom wissenschaftlichen Aspekt her sehr interessiert. Die Kardiologie ist eigentlich immer schon das gewesen, was mich am meisten interessiert hat. Das Herz als das wichtigste Organ, der Motor des Lebens, das ist schon eine schöne Aufgabe.   

Wie zufrieden sind Sie mit dem Kollegium hier in Koblenz? Ich bin hier sehr zufrieden mit dem Kollegium, mit den Schwestern und Ärzten. Ich habe eine sehr gute Oberärztin, die mich von Anfang an angeleitet hat und von der ich viel gelernt habe, menschlich, aber auch fachlich. Gerade auch als Frau bei der Bundeswehr war es schön, jemanden als Vorbild zu haben, der schon so viel geleistet hat wie sie und sich vor allem auch etabliert hat. Es war toll, dass sie mich an die Hand genommen hat – auch streng – und mir alles in den ersten Monaten gezeigt hat. Davon profitiere ich noch heute. 

Wie empfinden Sie die zeitliche, aber auch die seelische Arbeitsbelastung? Also, ich finde Arzt zu sein, ist einfach eine Berufung. Weil man sich nicht aussuchen kann, wann der Patient jetzt Herz- oder Bauchschmerzen bekommt. Daher muss man sich von Anfang an darüber bewusst sein, dass es keine geregelten Arbeitszeiten gibt. Natürlich muss man lernen zu erkennen, wann man unaufmerksam wird, wann man nach Hause gehen muss. Wenn man einem Patienten nicht mehr helfen kann, dann kann das auch seelisch belasten. Das kommt natürlich vor, gerade auch bei den Herzpatienten, die ja auch teilweise sehr alt sind. Wenn man die Behandlung nach bestem Wissen und Gewissen durchführt und dann aber an einem Punkt ankommt, wo man den Menschen gehen lassen muss. Es gibt schon Patienten und auch Situationen, die einem sehr nahe gehen. Es hilft, wenn man mit den Kollegen darüber reden kann.   

Was ist das Besondere an Ihrer Berufung? Zum einen ist das ganz klar der Doppelberuf: Soldatin und Ärztin. Auf der anderen Seite ist es eine tolle Aufgabe, etwas für meine Heimat und die Gesellschaft, in der ich lebe, tun zu können. Aber vor allem auch, als Ärztin die Soldaten im Auslandseinsatz unterstützen zu können.   

Planen Sie, demnächst selbst in den Einsatz zu gehen? Ja, ich habe mich für den BAT-Pool (Beweglicher-Arzt-Trupp) gemeldet. Das bedeutet, dass ich mich dazu verpflichte, drei Jahre lang, für mindestens vier Monate im Jahr, in den Auslandseinsatz zu gehen. Dadurch kann ich im Krankenhaus bleiben und meine Facharztausbildung in der Mindestzeit beenden. Als Notarzt im Einsatz werde ich dann z.B. im Panzer auf Erkundungen mitfahren oder die kämpfende Truppe zu Fuß begleiten.   

Was würden Sie jemandem raten, der darüber nachdenkt, Arzt bei der Bundeswehr zu werden? Man sollte nicht deshalb zur Bundeswehr gehen, weil man dort auch mit einem schlechteren Notendurchschnitt einen Studienplatz bekommt, da die Bundeswehr an den Universitäten feste Kontingente hat oder etwa, weil das Studium bezahlt wird. Das wäre vollkommen falsch. Es ist ganz wichtig, dass man sich im Klaren darüber ist, dass man auch - und vorrangig - Soldat ist. Dass nach den sechs Jahren Studium die Zeit bei der Bundeswehr kommt, und dass das auch nach den Regeln der Bundeswehr abläuft und man dann auch irgendwann in den Auslandseinsatz muss. Für diesen Doppelberuf muss man körperlich und psychisch belastbar sein und seine eigenen Grenzen kennen.   

Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft? Ich wünsche mir für die Zukunft, dass ich weiterhin Spaß habe in meinem Beruf, dass ich mich nach meinen drei Jahren BAT-Einsatz der Familienplanung widmen kann. Dass ich meine Karriere auch mit der Familie vereinbaren kann. Für alle Soldatinnen und Soldaten wünsche ich mir, dass die Einsatzplanung noch ein bisschen strukturierter abläuft und dass ihre Sicherheit nach wie vor im Vordergrund steht, gerade auch im Einsatz.     

Stabsarzt, Dr. Nihal Güllac
Stabsarzt, Dr. Nihal Güllac
Stabsarzt, Dr. Nihal Güllac
Stabsarzt, Dr. Nihal Güllac

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06.02.2012
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