03/08/12
Der Navigator
Dunkle Wolken ziehen auf, der Regen lässt nicht nach, ein kalter Wind peitscht über die Pier. Die Soldatinnen und Soldaten machen das Boot klar zum Ablegen. Durch eine Schleuse gelangen wir in das Innere des Minenjagdbootes. Über schmale Stiegen klettern wir zwei Etagen nach oben. Noch eine Schleuse, dann drängen wir zu viert in den engen Raum zwischen beiden Türen. Dahinter ist die Brücke, der Arbeitsplatz vom Hauptgefreiten Sohaib El Jarraz, der bereits an seinem Kartentisch steht und die Route für den heutigen Tag noch einmal überprüft. El Jarraz ist hier an Bord der Navigationsgast und trägt somit eine große Verantwortung für Boot und Besatzung. Anhand der Seekarten gibt er dem Fahrenden Wachoffizier Kursempfehlungen. Seine Arbeit fängt jedoch schon einige Tage vor dem Ablegen des Schiffes an. Dann nämlich, wenn er mögliche Kurse in die Seekarten einzeichnet und diese in das computergestützte GPS-System an Bord eingibt. „Ich sortiere dann auch schon die Karten vor, damit sie chronologisch bereitliegen und ich sofort auf die nächste Karte umschalten kann, wenn es nötig wird.“ Vor dem Ablegen des Boots geleitet er uns nach draußen und zeigt uns wie er das Auslaufwetter bestimmt. Alles was noch kurz vor dem Ablegen passiert, trägt er in das Schiffstagebuch ein. „Im Schiffstagebuch dokumentiere ich vor und während der Fahrt alles Wichtige was an Bord passiert.“ Dann muss El Jarraz wieder auf die Brücke, wohin ihn - während des Anlegemanövers - nur unser Kameramann begleiten darf.
Als Navigator oder Navigationsgast ist es natürlich erste Pflicht das Boot um Sperrgebiete, wie beispielsweise bekannte Minenfelder, herum zu navigieren. Wird ein neues Minenfeld gefunden, zeichnet El Jarraz es in die Karten ein und leistet damit auch einen wichtigen Beitrag für die Sicherheit der zivilen Schifffahrt, da - unter anderem auch in Nord- und Ostsee - nach wie vor unentdeckte Minenfelder vermutet werden. Auch seine Wetterbeobachtungen kommen der Allgemeinheit zugute. Während der Fahrt notiert er sich immer wieder die derzeitige Wetterlage: Regen, Bewölkung, Gewitter, er misst die Wassertemperatur, den Luftdruck und bestimmt die Windstärke. „Das wird alles bei uns dokumentiert und dann zum Geoinformationsdienst geschickt, dort ausgewertet und dient dann auch dem zivilen Wetterdienst.“
Auf der Brücke bedient Sohaib El Jarraz die Navigationsgeräte und bestimmt die Position des Boots. Sein Kartenraum befindet sich in einer kleinen Nische, im hinteren Teil der Brücke. Von hier aus gibt er in deutlichem Ton Kurse oder etwa den nächsten Andrehzeitpunkt an den Kommandanten des Minenjägers weiter. Die Standortbestimmung führt er mit Hilfe moderner technischer Navigationsmittel durch und überwacht sie gleichzeitig indem er ganz klassisch mit Hilfe der Karten navigiert. „Die technischen Systeme an Bord helfen zwar ungemein bei der Navigation aber trotz allem können wir nicht auf die klassischen Navigationsmittel verzichten, denn wenn die Technik mal ausfallen sollte, müssen wir dennoch in der Lage sein sicher zu navigieren“, so der Navigator. Über die hohe Verantwortung, die mit seiner Aufgabe an Bord verbunden ist, ist er sich durchaus bewusst: „Gute Navigation ist, wenn ich meine Kameraden sicher wieder nach Hause bringe“. Und so laufen auch wir an diesem Abend sicher in die Kieler Förde ein.




















