10/12/12
Nautiklehrer aus Leidenschaft
Es ist Dienstag, 14.00 Uhr, auf dem Dienstplan steht für eine Gruppe von Offizieranwärtern das Unterrichtsfach „Nautik“. Vor der Klasse steht ein Mann, dem die Schüler wie gebannt zuhören. Insbesondere dann, wenn er die eine oder andere Anekdote aus der Zeit als er selber noch aktiv zur See gefahren ist berichtet. Die Rede ist von Hauptbootsmann Joachim Bialy, der an der Marineschule Mürwik, besser bekannt als das „rote Schloss am Meer“, jungen Menschen Soldaten das Navigieren beibringt.
Er selber bezeichnet sich, mit einem verschmitzten Lächeln, gerne „als Seemann alter Schule“. Dass er diesem Anspruch gerecht wird, glaubt man ihm aufs Wort, denn immer wieder versucht er seine Schüler für die Tücken der modernen Technik zu sensibilisieren. Und so ist es denn auch kein Wunder, dass er sich auch die Zeit nimmt, ihnen die Positionsbestimmung mit einem Sextanten beizubringen. „Mit diesem Gerät ist man in der Lage vertikale Winkel zu messen, um eben seinen Standort auf hoher See genau bestimmen zu können“, so der Nautiklehrer.
Für Bialy ist im Unterricht vor allem ein guter Umgang miteinander wichtig. „Die Unterrichtsarbeit lebt bei mir vom Mitmachen. Das ist für mich ganz wichtig.“ Natürlich darf das Lernziel darunter nicht leiden aber ein bisschen Spaß zu haben sei ebenso wichtig, wie den Schülern zu vermitteln, dass es für sie lebenswichtig sein kann, auf hoher See das erlernte Wissen auch zu beherrschen.
In seinem Büro, das der Hauptbootsmann liebevoll „mein kleines Museum“ nennt, stehen eine Menge Modellschiffe, die nur darauf warten bewundert zu werden. „Eines meiner Hobbys ist es Schiffe nachzubauen, auf denen ich selbst gefahren bin.“ Da Bialy in seiner Laufbahn schon auf so einigen Booten und Schiffen gefahren ist, ist dieses Hobby eine richtige Lebensaufgabe, da er nicht etwa fertige Bausätze verwendet, sondern alles in Einzelanfertigung detailliert nachbaut. Auf dem Mehrzwecklandungsboot „Lachs“, das im Original in Eckernförde liegt, ist er selber nicht nur gefahren, sondern hat es auch kommandiert, was Bialy mit großem Stolz erfüllt, weil es eines der wenigen Boote ist auf dem ein Portepee-Unteroffizier überhaupt Kommandant werden darf.
An einer Wand hängt eine Vielzahl von Postkarten. Einige stammen von ehemaligen Schülern Lehrgangsteilnehmern, die ihm auch nach etlichen Jahren noch von ihren Fahrten auf hoher See berichten. Dass er wohl einen der schönsten Arbeitsplätze in der Bundeswehr hat, war sicherlich auch ein Grund dafür, dass Joachim Bialy nicht anders als Zusagen konnte, als man ihm diese Stelle anbot. „Es ist schon toll, in diesem „Schloss“ unterrichten zu können und diesen tollen Blick aufs Wasser zu haben. Da ist der eine oder andere schon einmal versucht mehr rauszugucken, als dem Unterricht zu folgen“, sagt Bialy und fügt grinsend hinzu: „Aber keine Angst, da habe ich schon meine ganz eigenen Mittel!“ Ganz der Lehrer eben.




















