01/04/12
Übung für den Ernstfall
Die Patrouille bewegt sich langsam in Richtung Zielort. Ein „Hinterhalt“, acht Schwerverletzte, Rauch steigt über dem Fahrzeug von Oberfeldwebel Patrick Sturat auf: „Totalausfall“. Der bewegliche Arzttrupp kann die Verletzten nicht allein versorgen. Verstärkung muss angefordert werden! Der aufsteigende Rauch ist rot, wie von einem Feuerwerkskörper, Warnleuchten blinken an den getroffenen Fahrzeugen. Dies ist eine Übung im Gefechtsübungszentrum des Heeres in Letzlingen. Und dennoch eine sehr realistisch wirkende Übung. Für die teilnehmenden Soldaten ist es ihre „Abschlussprüfung, bevor sie in den Auslandseinsatz gehen“.
Oberfeldwebel Patrick Sturat ist 29 Jahre alt und Truppführer im Gefechtsübungszentrum. Er war bei der beschriebenen Simulation einer von 25 „Soldaten in darstellender Funktion.“ Als solcher hilft er, die Übung für die Teilnehmer so realistisch wie möglich zu gestalten. Dabei werden die Soldatinnen und Soldaten von einem Duellsimulator unterstützt. Über GPS kann dieses Computersystem den genauen Standort jedes einzelnen Soldaten berechnen. Über Detektoren an der Kleidung aller Übungsteilnehmer kann der Computer darüber hinaus auswerten, ob und wie schwer jemand vom Übungs-Laser-Feuer getroffen wurde. „Der Laser hat Infos über die Art des Feuers und ein Computer berechnet dann, ob es ein Treffer war und entscheidet über den Grad der Verwundung“. Dabei unterscheidet der Computer zwischen drei Graden der Verwundung: leichte, mittlere und schwere.
Während der Übung sitzen Kameraden in der Zentrale, die eine Echtzeitauswertung der Übung vornehmen. „Sie verfolgen, teilweise auch mit Live-Bildern, wie die Übung verläuft. Dabei zeigt eine Karte, wo sich auf dem Übungsplatz die Soldaten und Fahrzeuge befinden. Man sieht sofort wer sich falsch verhält.“
Simuliert werden mögliche Szenarien, die im Einsatz auf die Soldaten zukommen könnten: Der Umgang mit einer Vielzahl von Verwundeten, das Verhalten im Hinterhalt, das Verhalten auf Patrouillen und eben auch die Kombination von verschiedenen Ereignissen. In Europa, so Sturat, gibt es, was Technik, Personal und Gelände betrifft, keine vergleichbare Ausbildungseinrichtung. Auf dem riesigen Übungsplatz können sogar verstärkte Bataillone ausgebildet werden.
Anfangs werde die Simulation von vielen Soldatinnen und Soldaten belächelt, aber nach der Übung, so Sturat, werde vielen klar, wie wichtig sie ist: „Jeder Soldat ist in erster Hilfe ausgebildet, aber wenn er seine Kenntnisse in einer komplexen Lage anwenden soll, dann wird es schwierig. Wir versuchen, einen gewissen Automatismus zu trainieren, um die Soldaten bestmöglich auf den Einsatz vorzubereiten.“




















